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Wissenschaftler der Uni Magdeburg nehmen Arbeit auf: Erforschung des Sprachgebrauchs auf Gesellschaft

Prof. Dr. Kersten Sven Roth. Foto: Jana Dünnhaupt/ Universität Magdeburg

Magdeburg. An der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg nimmt die „Arbeitsstelle für linguistische Gesellschaftsforschung“ (AlGf) ihre Arbeit auf. Die Sprachwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler dort erforschen anwendungsbezogen den aktuellen Sprachgebrauch in Politik, Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft – und seine Folgen für die Meinungsbildung und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Unter dem großen Thema „Sprache formt Gesellschaft“ soll durch die Transfereinrichtung die Expertise der modernen gesellschaftswissenschaftlichen Linguistik anwendungsbezogen künftig all jenen Akteuren zur Verfügung gestellt werden, die täglich mit dem Zusammenhang von Sprache und Gesellschaft zu tun haben: Politik, Medien, Wissenschaft, Verbände, Unternehmen, Stiftungen.
Gemeinsam mit diesen Partnern, aber auch in eigenständigen Forschungsprojekten wird das 5-köpfige Team um den Germanisten Kersten Sven Roth, Inhaber des Lehrstuhls für Germanistische Linguistik der Universität Magdeburg, Methoden der sprachwissenschaftlichen Gesellschaftsforschung nutzen, um mit unserem Sprachgebrauch zusammenhängende, gesellschaftliche Phänomene besser zu verstehen und Lösungswege zu finden.

„Tatsächlich ist die Linguistik eine wichtige Gesellschaftswissenschaft: Soziale und politische Phänomene, ob Rassismus, Hatespeech, der Umgang mit Corona oder die allseits präsenten Abspaltungsdebatten ost-west, rechts-links oder arm-reich sind immer auch durch einen bestimmten Gebrauch unserer Sprache geprägt. Über die Analyse dieses Sprachgebrauchs erfahren wir viel über die gesellschaftliche Wirklichkeit. Diese Erkenntnisse wiederum können unsere Kooperationspartner nicht zuletzt nutzen, um einer Polarisierung und Fragmentierung der Gesellschaft entgegentreten“, beschreibt der Arbeitsstellenleiter Prof. Roth die Aufgabe.

Als politisch unabhängige akademische Forschungseinrichtung wird die Arbeitsstelle künftig durch ihre Expertise sowohl in der Politik-, Wissenschafts- und Unternehmensberatung tätig sein, als auch eigenständig an eigenen Schwerpunkten forschen, so zum Beispiel zu den Themen sprachliche Diskriminierung, politisches Handeln in digitalen Öffentlichkeiten oder Wissenschaft in der Öffentlichkeit.

„Ich selbst forsche zum Beispiel schon recht lang zu den sprachlichen Verhältnissen zwischen Ost- und Westdeutschland“, erläutert der Germanist Prof. Roth. „Da gibt es auch in erster Linie sprachlich konstruierte Mauern, die den medialen Diskurs über Ost und West bis heute bestimmen. Ich denke da zum Beispiel an das gut nachweisbare Muster, bei dem ‚der Osten‘ immer Besonderheit, Schwäche und Belastung ist, während ‚der Westen‘ als ‚Normal Null‘ unhinterfragt bleibt.“ So sei in den Medien PEGIDA auch immer als ostdeutsches Phänomen beschrieben, die Querdenkerbewegung aber selten bis gar nicht in gleicher Weise als westdeutsches gefasst worden, obwohl sie sich in ihrer ursprünglichen Variante sogar mit der Stuttgarter Vorwahl geschmückt hat und durchaus in bestimmten, typisch westdeutschen Szenen beheimatet war.

„Über etwas sprechen, bedeutet eine Perspektive darauf einzunehmen, sich zu positionieren“, weiß auch Dr. Kristin Kuck, Co-Leiterin der Arbeitsstelle mit einem besonderen Schwerpunkt auf dem Themenfeld „Diskriminierende Sprache“. „Kein Sprachgebrauch ist wertfrei oder gar objektiv und zunehmend wird unsere Gesellschaft sensibler gegenüber dieser Tatsache. Indem ich mich zwischen den Ausdrücken Friseurin oder Friseuse oder zwischen Flüchtling und Geflüchteter entscheide, beziehe ich in jedem Fall Stellung zur gesellschaftlichen Debatte.“ Dabei mischten sich stets Diskussionen über Sprache mit ideologischen Kämpfen. „Es ist wichtig, dass das möglichst bewusst geschieht.“ Auch hier will die AlGf Orientierung bieten.

„Keine Sprache, keine Gesellschaft“, fasst Kersten Sven Roth zusammen. „Es gibt keine gesellschaftliche Herausforderung, bei der Sprachgebrauch nicht eine zentrale Rolle spielt – und damit linguistische Expertise gefragt ist. Die wollen wir ganz gezielt dorthin bringen, wo sie benötig wird – in Form von Projekten, Beratungstools oder auch Schulungsprogrammen, ob für Bürgermeisterinnen, Verbandsfunktionäre, Unternehmensverantwortliche oder auch Kolleginnen und Kollegen aus der Wissenschaft. Wir verstehen uns als Anlaufstelle für alle, die gesellschaftliche Probleme verstehen wollen und lösen müssen.“

PM/Universität Magdeburg

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